Vergängliche Inhalte in den sozialen Medien sind der neue Trend. Das mag beim ersten Lesen etwas seltsam klingen, doch das Potenzial solcher Netzwerke ist enorm. Eines davon ist Snapchat, das ich heute etwas näher vorstelle, da es im Bereich des Sportmarketings nicht ganz unwichtig ist oder vielmehr werden wird.

Snapchat im Sportmarketing

Meerkat, Periscope und Snapchat sind Apps, die alles andere als nachhaltig sind, zumindest, was die Halbwertszeit der Inhalte angeht. Denn alle drei Plattformen haben eines gemeinsam, nämlich, dass die aufgenommenen Fotos und Videos nur für eine bestimmte Zeit abrufbar sind, bevor sie wieder verschwinden.

Im heutigen Blogbeitrag sollen Meerkat und Periscope aber keine weitere Rolle für dich spielen. Nicht nur, weil sie nahezu identisch sind und sich auf das Veröffentlichen von Live-Videos beschränken, sondern weil ihnen Snapchat längst den Rang abgelaufen hat. Snapchat boomt und das – vorsichtig ausgedrückt – mittlerweile sogar im bezüglich Social Media oftmals prüden Deutschland.

Ein paar Hintergründe zu Snapchat

Gefragt ist die Foto-App Snapchat vor allem bei den 16 bis 24 Jahre alten Internetnutzern. So heißt es laut mehreren Quellen, dass eben dieses Alterssegment durch 50 Prozent aller Nutzer abgedeckt wird. Wenn dies die potenzielle Zielgruppe deines Unternehmens ist, dann sollten spätestens jetzt die Alarmglocken klingeln.

Weltweit gibt es bereits mehr als 200 Millionen Snapchat-User, was eine beachtliche Anzahl ist, zumal der Messaging-Diest erst 2011 von Robert „Bobby“ Murphy und Evan Spiegel gegründet wurde. Auch Facebook ist diese Entwicklung nicht verborgen geblieben, weshalb Mark Zuckerberg Snapchat für 1 Milliarde US-Dollar kaufen wollte, aber kläglich abblitzte.

Was aber macht Snapchat so besonders? Wahrscheinlich ist es die Einzigartigkeit in der Funktionsweise, denn das Hauptaugenmerk liegt auf dem Versenden von Fotos und Videos unter Freunden. Das hört sich ziemlich simpel an, doch, wie bereits erwähnt, sind die Bilder und Videos, die mit verschiedenen Filtern und Texten versehen werden können, vergänglich.

So werden die Inhalte, die übrigens nicht nur in Form von Nachrichten, sondern auch als 24-Stunden-Rückblick in Form einer Geschichte dargestellt werden können, zehn Sekunden nach dem Betrachten vom Server gelöscht. Wer es nicht schafft die Fotos und Videos innerhalb eines Zeitraums von 30 Tagen anzuschauen, der hat Pech gehabt, denn nach diesem Zeitraum sind die Inhalte ebenfalls nicht mehr abrufbar.

Jetzt fragst du dich sicherlich, warum die Smartphone-App trotz all der Beschränkungen und Eigenheiten dennoch durch die Decke geht und warum sie für Fußball-Bundesligisten wie dem FC Bayern München (Snaps unter FCBayernSnaps) und Borussia Mönchengladbach (Snaps unter vflborussia1900) längst zu einem wichtigen Marketingkanal geworden ist, oder?

Die Chancen von Snapchat im Sportmarketing

Das größte Potenzial für Marken und Unternehmen steckt vor allem in der Vergänglichkeit der Inhalte, schließlich schärfen Fotos und Videos, die nur für eine bestimmte Zeit verfügbar sind, den Blick auf die Inhalte. Die einzelnen Follower geben den Snaps somit ihre volle Aufmerksamkeit und werden bewusst wahrgenommen, was bei sozialen Netzwerken wie Facebook und Twitter nur selten der Fall ist.

Snapchat eignet sich zudem ideal zum Erzählen von Geschichten. So hat jeder User die Möglichkeit, die innerhalb der letzten 24 Stunden aufgenommenen Sequenzen in seine Geschichte zu packen und so den Tag Revue passieren zu lassen. Wer dies aus dem Sportbereich sehr gut umsetzt, ist der eben schon angesprochene FC Bayern München, denn der Fußballverein aus der Säbener Straße gibt nicht nur Einblicke in Trainingseinheiten, Autogrammstunden und Vorbereitungen auf das bevorstehende Spiel, sondern lässt tief in den Alltag eines professionellen Sportvereins blicken. Für den Fan ein absoluter Mehrwert.

Und eben diese Einblicke sind es, die der Follower eines Profils sehen möchte. Die Zauberwörter hierbei heißen Authentizität und Transparenz, die durch Snapchat perfekt vermittelt werden können und den Fan beziehungsweise Kunden näher an den Verein, die Marke oder das Unternehmen bringen.

Was das Erreichen der gewünschten Zielgruppe betrifft, so macht Snapchat für die Seniorensportgruppe eher wenig Sinn, da unter den Silver Surfern, wie es so schön heißt, kaum Nutzer vertreten sind. Vielmehr sind es die jungen Wilden, die mit der Smartphone-App erreicht werden, was nicht zuletzt an all den Spielereien liegt, die Snapchat zu bieten hat. So sind es, wie bereits angesprochen, vor allem die 16- bis 24-Jährigen, die erreicht und von einem Produkt überzeugt werden können.

Ein letzter Grund, warum du als Marketer schon jetzt auf Snapchat zugreifen solltest, liegt darin, dass die Nutzerzahlen in die Höhe schnellen, deine Konkurrenz aber wahrscheinlich noch schläft. Also mache vom First-Mover-Effekt Gebrauch und baue dir eine Reichweite auf Snapchat auf, bevor dir deine Konkurrenz dazwischen funkt.

Die Relativierung des Snapchat-Hypes

Die positiven Aspekte von Snapchat liegen auf der Hand. Das Netzwerk ist toll, macht Spaß und kann im Sportmarketing und auch außerhalb des Sports als ideales Tool zum Branding eingesetzt werden. Aber es gibt auch einige Punkte, mit der ich deine Euphorie etwas schmälern möchte, bevor du einen Account erstellst.

Wie so oft bei sozialen Medien sowie Foto- und Videoplattformen bedarf es einem hohen zeitlichen Aufwand, um das gesamte Potenzial auszuschöpfen. So auch bei Snapchat, denn gerade da die Inhalte vergänglich sind, solltest du regelmäßig visuelle Eindrücke bereitstellen, um deine Follower bei Laune zu halten und dir eine Gefolgschaft aufzubauen.

Anders als bei Instagram oder Twitter, wo Hashtags eine bedeutende Rolle für das Branding und eine größere Reichweite sorgen, gibt es bei Snapchat nicht die Option, Hashtags einzusetzen. Letztendlich muss die Werbetrommel auf anderen Wegen gerührt werden, damit sich ein potenzieller Follower auf den Snapchat-Account verirrt. Virale Effekte bleiben zudem aus, da es keine Teilen-Funktion gibt, mit der Inhalte im Social Web gestreut werden.

Ein paar Tipps zum Abschluss

Snapchat ist auf Grund seiner Einzigartigkeit einfach nur genial und ein absoluter Mehrwert für die Social Media-Landschaft und Unternehmen, die Emotionen durch den Sport transportieren. Doch um es gewinnbringend einzusetzen bedarf es einer gewissen Eingewöhnungs- und Pflegezeit.

Hast du bei deinen Kampagnen im digitalen Sportmarketing bereits soziale Medien wie Facebook und Instagram etabliert und noch etwas Puffer, dann macht es Sinn, Zeit für Snapchat aufzuwenden. Ansonsten lege weiterhin den Fokus auf deine bestehenden Plattformen.

Drei Tipps möchte ich dir aber auf alle Fälle noch für den Start mit Snapchat auf den Weg geben:

  1. Gebe einen Einblick in den Alltag und sei ebenso authentisch wie transparent (Beispiele: als Personaltrainer Trainingstipps geben oder als Sporthotel das tägliche Angebot schmackhaft machen)
  2. Steigere den Dialog mit deinen Followern und gehe auf Snaps ein, die an dich gesendet werden
  3. Nutze Filter, Beschriftungen und sonstige Spielereien, um deine Bilder und Videos für dich sprechen zu lassen

Wie sich Snapchat im deutschsprachigen Raum weiterentwickeln wird, bleibt abzuwarten. Ich stehe einer positiven Entwicklung allerdings weiterhin äußerst positiv gegenüber, da es die Gründer von Snapchat geschafft haben, sich von anderen sozialen Netzwerken abzuheben. Snapchat ist keine Kopie, sondern etwas völlig Neues, was es gerade für die junge Zielgruppe so wertvoll macht.

Wenn du noch Fragen zu Snapchat hast, dann zögere nicht und hinterlasse mir einen Kommentar. Gerne können wir gemeinsam die ersten Schritte gemeinsam gehen und ein sportliches Konzept für Snapchat ausarbeiten, das dich und dein Unternehmen weiter nach vorne bringt. Ansonsten wünsche ich dir schon mal viel Spaß beim Snappen!

Bildquelle: Gilles Lambert | unsplash.com

Snapchat im Sportmarketing: Das solltest du vor dem Start wissen